Kunst und Kultur
Die KdF-Anlage Prora
Das ab 1936 begonnene Kraft-durch-Freude-Projekt Prora hat eines der beeindruckendsten und widersprüchlichsten Bauwerke Norddeutschlands hinterlassen. Das über zwei Kilometer lange Gebäude sollte als Urlaubs- und Erholungsstätte für jeweils 20.000 verdiente nationalsozialistische Arbeiter dienen, doch wurde es – wie viele überdimensionierte architektonische Pläne des Nationalsozialismus – nie fertiggestellt. Aus dieser Zeit stammt auch das Binzer Bahnhofsgebäude. Nach dem Krieg diente Prora der Volkspolizei als Kaserne, später wurde es von der Nationalen Volksarmee genutzt. Seit der Wende wurde die zu Binz zählende Anlage von Prora mehrfach Gegenstand mehr oder weniger fantasievoller Projekte (unter anderem logierte hier eine Jugendherberge); inzwischen hat sich in einem Teil des Baus ein Dokumentationszentrum zu seiner Geschichte etabliert, das mehrmals jährlich Tagungen entsprechender Themen veranstaltet. Der weitaus größte Teil der Anlage wird jedoch noch immer nicht genutzt, ist Vandalismus und Wettereinflüssen nahezu ungeschützt ausgesetzt und zeigt deshalb deutliche Verfallsspuren.
Jagdschloss Granitz
Das Jagdschloss Granitz südlich von Binz liegt auf dem Granitzer Tempelberg in einem etwa 1.000 Hektar großen Waldgebiet, das bereits zum Biosphärenreservat von Südost-Rügen zählt. Der umgebende Buchenwald ist die größte zusammenhängende Waldfläche der Region. Der aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Neorenaissance-Bau von Steinmeyer hat einen nachträglich von Schinkel eingefügten Mittelturm mit einer von den Gebäudewänden getragenen Wendeltreppe aus Eisenguss; die Dachplattform auf fast 40 Metern Höhe bietet den vielleicht schönsten Aussichtspunkt des südlichen Rügens. Neben den dauernden Exponaten zeigt das Schloss auch wechselnde Ausstellungen. Im Marmorsaal des unlängst sorgsam sanierten Schlosses finden regelmäßig klassische Konzerte statt. Das Jagdschloss wird beispielsweise mit der Bäderbahn erschlossen, die Anfahrt mit privaten Pkw ist hingegen untersagt.
Putbus
Die geringe Ausdehnung Rügens erlaubt es, praktisch jeden Ort der Insel – einschließlich Stralsunds – auf Tagesausflügen zu erkunden. Das nahe gelegene Putbus, das erste Seebad der Insel, ist für stadtplanerisch und historisch Interessierte ein unbedingtes Muss. 1810 als Residenzstadt durch Malte von Putbus gegründet, ist der klassizistische Stadtkern, der dem Ort auch zu seinem Beinamen "Weiße Stadt" verholfen hat, bis heute erhalten. Er ist um ein zentrales Rondell konzipiert worden, den Circus. In DDR-Zeiten abgerissen, wurde das barocke Schloss von Putbus. Zahlreiche weitere Gebäude aus der Gründungszeit des Ortes sind jedoch erhalten geblieben. Hierzu zählen die Orangerie, die Schlosskirche, das Palais Lottum, das Pädagogium und auch das 1998 wieder eröffnete Theater, das einzige der Insel. Jedes Jahr, wenn der Frühling in den Sommer übergeht, schmückt sich Putbus mit einer Fülle duftender Rosen – eine Tradition, die der Stadt ihren zweiten Beinamen verdankt: Putbus ist die "Rosenstadt" Norddeutschlands.
